Sonntag, 14. Juli 2013

Bienenbeuten herstellen

Prolog:
Manch einer, der die Überschrift liest denkt sich sicherlich was denn nun Bienenbeuten sind. Das darf ich als erstes Aufklären. Ein Bienenvolk benötigt ein Heim. Ein Hund hat eine Hundehütte, Kühe einen Stall und Bienen haben einen Bienenstock (das gesamte Gebilde). Eine Bienenbeute oder auch Magazin genannt ist quasi ein Stockwerk in das dann die Rähmchen eingehängt werden.
In der Imkerei hat sich dies durchgesetzt, da Stockwerk für Stockwerk durchgesehen werden kann ohne allzu invasiv eingreifen zu müssen.

Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnte wollte ich mir einige Euro sparen und beschloss daher die Beuten selbst herzustellen. Als ich dann kalkulierte merkte ich, dass es sich kaum lohnt alles selbst zu machen, da ich das Material nie so gut hingebracht hätte und vor allem nicht in der kurzen Zeit. Also kaufte ich die Beuten in Teilen und leimte diese selbst zusammen.

Manch Hobbyschreiner denkt sich nun, warum ich nun einen Artikel schreibe über das vermeintlich schlichte Zusammenleimen von vier Holzbrettern. Nun ja einerseits merkte ich, dass auch dies manchmal etwas schwieriger ist als man denkt und daher ein zwei Kniffe weitergeben möchte, andererseits wollte ich Hobbyimkern eine Variante zeigen, die etwas Geld sparen kann sofern man Ausrüstung und Zeit hat.



Die Teile habe ich bei der Schreinerei Altthaler in Eglofs bekommen. Ich habe mich für die Heroldbeute mit Falz entschieden. Es ist ein etabliertes Maß, das sich dadurch auszeichnet, dass alle Zargen gleich groß sind. Diese gibt es auch ohne Falz, was aktuell eher in Mode. Ich habe mich für die Variante mit Falz entschieden, da die Zargen untereinander nicht verrutschen können. Das wäre beim Imkern, Lagern oder Transport mit dem Auto (voll besetzt mit Bienchen) wohl eher... ungut ;O)


Der Bau:
Ich habe die Teile nun geholt. Hier nur ein kleiner Stapel, da ich insgesamt 24 Zargen bestellte.


Wie man in diesem Bild gut sehen kann, wie sauber die Teile gearbeitet sind. Trotzdem stecke ich alle Teile zuvor zusammen, um zu sehen ob alles passt.


Um schneller zu sein habe ich die vier Teile der Zargen mit Einhandzwingen zusammen geklemmt und leicht in der Vorderzange der Hobelbank fixiert.


Der Leim wurde in die Zwischenräume der Zinken gepinselt.


Nun gings ans zusammenstecken. Auf den Boden legte ich ein Brett und versuchte die Teile zusammen zu stecken. Obwohl ich versuchte flink zu sein merkte ich schnell, dass die Zinken leicht aufgequollen waren. Also musste ich mit Klüpfel und Schraubzwingen nachhelfen. Das ging zwar, war aber recht Kraftraubend.


Erst war ich etwas verzweifelt, da die Arbeit alles andere als leicht von der Hand ging. Als ich mich in meiner Werkstatt umsah, fiel mein Blick auf meine Hobelbank.
Neuer Plan: Teile so gut es geht zusammenklopfen und mit der Hinterzange zusammenpressen.
Gedacht, getan, guter Plan!
An diesem Bild kann man wieder sehen wie gut die Teile verarbeitet sind. Auf der langen Seite ist ein sehr schmaler Falz der ausgefräst zu leicht abreißen würde. Daher hat die Schreinerei dies durch Sperrholzleisten gelöst.


Wichtig: Zulagen nicht vergessen.
Der herausgepresste Leim wurde innen mit einem Finger verstrichen und außen mit einem nassen Lappen abgewischt.


Nun muss der Kasten noch ins Lot gebracht werden. Mit Drücken ging gar nichts. Auch leichte Schläge mit dem Gummihammer halfen nicht.


So wandte ich eine Technik an, die ich in der Zeitschrift Holzwerken gesehen hatte. Ich setzte eine Zwinge an und pumpte leicht. Wiederholung auf der anderen Seite und schon war Kasten "ausgelotet".


Um noch die letzten Rizzen zu schließen setzte ich eine Schraubzwinge an. Allerdings muss man sagen, dass man hier doch einiges an Kraft braucht.
Und nun der nächste Tipp: Es hat sich als äußerst hilfreich erwiesen noch eine Zwinge an die Ausladung zu klemmen. Somit hat man immer den gleichen Ansatzpunkt und auf Dauer ist es doch recht nervig die Schraubzwingen immer wieder umzusetzen, wenn man sie erst mal zu hoch angesetzt hat.


Der schwierigste Teil ist erledigt.


Ich hatte mir von meinem Imkerpaten eine Zarge als Referenz ausgeliehen. Der Kasten wird aufgesetzt und passt - wie schön :O)


Nun wurden die Ecken mit dem Einhandhobel etwas angefast.
Die untere Leiste wird aufgeleimt und mit 40er Klammern aufgenagelt. Keine Ahnung ob es nötig ist oder nicht, doch habe ich noch kleine Schraubzwingen angesetzt um die Verleimung fester zu machen.


Da die Kästen Wind und Wetter ausgesetzt sind kommt noch eine Leimwurst, erhältlich beim Metzger Ihres Vertrauens, auf die Leiste, damit Regen besser ablaufen kann.


Auch die obere Leiste wird geleimt und geschossen. Da der Kasten voll besetzt aber auch mal gute 20-30 Kg wiegen kann wird die Leiste noch vorgebohrt und verschraubt.


Auf der Innenseite werden noch Trägerleisten befestigt, damit man die Rähmchen später besser ziehen kann.
Erst habe ich diese aufgeschraubt, Nageln reicht aber vollkommen aus.


Und hier ist der erste Turm...


...und eine fertige Bienenbeute.


Fazit & Lesson learned:
  • Reibungskräfte von Fingerzinken sind groß - sehr groß.
  • Es ist nützlich die Möglichkeiten seiner Werkstatt zu kennen (siehe Hobelbank)
  • Kleine Vorrichtungen erleichtern ungemein die Arbeit (siehe Zwinge an Zwinge)
  • Mission erfüllt fast alle Kästen sind nun fertig und wieder einiges an Geld gespart
  • Es ist immer ratsam am Ball zu bleiben. Wenn das Material beim Imkern ausgeht entsteht schnell Frust.

Und hier recht ungefrustet. Meine Bienen und ich mit einer fast komplett verdeckelten mindestens zwei Kg schweren Honigwabe - Herrlich!!


Liebe Grüße

Euer Martin :O)

Kommentare:

  1. Hallo Martin,

    Was für einen Leim hast du verwendet ? D3 oder D4 ?

    Gruß

    Martin

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  2. Hallo Martin,

    habe D3 genommen, da das Wasser ja nicht stehen bleibt - ich hoffe das passt... wir werdens sehn ;o).

    Schönen Gruß

    Martin

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