Sonntag, 3. September 2017

09. August 2015 - Bad oben

Wir haben in unserem Haus zwei Bäder, die direkt übereinander liegen. Wie es nunmal früher so Brauch war, war ein Bad ein Funktionsraum, dem nicht so viel Platz eingeräumt wurde - in unserem Fall ca 4,7 qm. Claudia und ich ticken da eigentlich auch so, also wollten wir einfach "nur" ein bisschen frischen Wind reinbringen, anstatt ein Riesenbad zu bauen.

Hier mal ein Blick in das Bad im ersten Stock vor der Renovierung.



Eine sehr schmale Tür, alles ein bisschen kühl, kein Heizkörper sondern ein Heizlüfter an der Wand. Und dazu ein Farbkonzept, dessen Moderne schon lange der Vergangenheit angehört.

Was wir daraus gemacht haben und der Weg dorthin lest Ihr im Folgenden:
Ach ja ein Bad zu sanieren ist aufwendig - daher ist dieser Eintrag auch recht lang - nehmt Euch die Zeit, es lohnt sich.

Nunja erst mal mussten wir planen und waren dafür beim örtlichen Sanitärfachhandel, zu dem uns unser Heizungs-Sanitär-Meister geschickt hat. Wir wurden beraten, sehr nett, fachlich aber leider in unserem Fall fehlerhaft. Man merkte einfach, dass man wohl kaum Erfahrung hat mit derartig kleinen Bädern hat. Abstände wurden falsch eingeschätzt, trotz akribischer maßstabsgetreuer Zeichnung.


Also haben wir uns an unseren Bekannten gewandt, der mit uns dann Pläne machte.
Das Geheimnis bzw. die Schwierigkeit Bestand darin, in dem Bad eine Badewanne unterzubringen, ohne komplett den Platz zu dominieren. Wir haben viel diskutiert und rumprobiert, aber es half alles nichts, eine Wand musste einfach weichen.

Also ging es erst mal an den Abriss und Gott seis gedankt waren wieder viele fleißige Leute dabei.

Zuerst wurden die Leitungen an der Rückseite freigelegt.



Vorsichtig wurde der Durchlauferhitzer von Uli demontiert. Übrigens Durchlauferhitzer, auch wenn wir inzwischen keine mehr haben, erhalten wieder ein gewisse Renaissance. Sie haben einen klaren Vorteil. Die Erhitzung des Wassers findet nur wenige Zentimeter oder vieleicht wenige Meter vor dem Verbrauch statt. Somit entfallen teuere Zierkulationspumpen und deren Dauerverbrauch.


 Dann ging es daran die Fliesen abzuhauen und...
 

 ... die Wand einzureißen.



 Und weg mit dem alten Zeug.


Wir haben, entgegen unserer Gewohnheit auch die Tür rausgerissen, da sie zu schmal und dazu noch in die falsche Richtung aufging. Für die Verbreiterung, haben wir von beiden Seiten mit einer großen Flex eingeschnitten und dann den Rest mit dem Bohrhammer weg geschlagen.


Achja, hier könnt Ihr sehen warum Schutzkleidung Pflicht ist. Kauft Euch unbedingt einen guten Mundschutz. Keine billigen Baumarkt Papierfilter. Ich habe immer einen Staubfilter der höchsten oder zweit höchsten Klasse.


 Die Abrissarbeiten waren aber noch nicht ganz fertig. Wir mussten noch die Schilf-Putz-Decke entfernen - an dem Abend hab ich die Dusche wirklich genossen.


Wenn ich das Bild jetzt so anschaue, hätten wir einfach eine Glasplatte an die Decke machen sollen - sah eigentlich gar nicht schlecht aus - Industriallook.


Alle Leitungen (Wasser, Abwasser, Strom) wurden entfernt und neue Schlitze mit der Schlitzfräse und Bohrhammer gezogen.


Wenn man Schlitze macht am Besten zuerst(!) mit der Bohrkrone die Dosen vorbohrenund dann drüberschlitzen, gerade bei Altbausanierung wichtig. Absaugung, Gehörschutz und v.a. ein leistungsfähger Atemschutz ist Pflicht!


Die neuen Leitungen wurden gezogen. auch das Abwasserrohr wird eingepackt, allerdings nicht als Temperaturschutz sondern als Schallschutz, da somit eine Entkoppelung zur Wand hergestellt wird.

Wenn man so breite Schlitze hat wie hier, ist es sinnvoll die Leitungen vorm Zuwerfen zu fixieren. Hier habe ich von von einem Baugeschäft einen festen formstabilen Draht bekommen, den ich dann "eingespannt" habe. Ihr könnt es sicherlich an den drei Leitungen erkennen die nach oben gehen.

Ach ja, bei einer Sannierung sollte man auch an die Zukunft denken. Wir haben, da die Wände ja schon offen waren, sämtliche Leitungen (Wasser, Abwasser, Heizung, Strom, Netzwerk, Satellit) auch in den Dachboden gezogen.


Mein Maurer, der Werner, hat mir dann die Vormauerung gemacht. Mein Sanitärler hat uns schon mal ein WC hingehängt, da wir zu der Zeit beide Bäder gleichzeitig saniert haben - ging nicht anders, da Sie ja direkt übereinander sind und dadurch die gleichen Leitungen nutzen.


Und wo wir schon mal dabei waren, haben wir das alte Fenster ausgebaut...


...und ein neues Fenster gesetzt. Hier hat Werner auch schon die Anputzleisten und das Fensterbrett gesetzt - ich erinner mich, das war ein nerviger Tag, wir sind uns nur gegenseitig auf den Keks gegangen. So ist das halt auch mal auf der Baustelle.


Ich hab die gröbsten Löcher zugeworfen, da man das nicht alles beim Verputzen machen kann. Werner hatte natürlich auch Eckschutzschienen gesetzt. Schützt die Ecken, wie der Name schon sagt, und man kann sauber daran anputzen.


Und dann kam die erste Putzschicht. Und Leute ich sag Euch, danach bekomt man auf einmal ein ganz neues Raumgefühl. Oder was meint Ihr?


Und hier die andere Seite.


Dann die Feinputzlage. Die Belichtung von dem Bild ist zwar nicht gut, aber toll der Putz.


Ein Thema für sich - Fliesenlegen:

Also wie gehts los? Zuerst habe ich mal die alte Substanz mit Haftgrund angepinselt.
Man verwendet Hastgrund, um den Untergrund noch mal ein wenig zu verfestigen und damit die Haftwirkung des neuen Materials zu gewährleisten. Man kann es pinseln, rollen oder sprühen. Außerdem kann man diese Flüßigkeit auch verwenden um z.B. mit Fliesenkleber eine Schlemme anzurühren und diese als richtige Haftbrücke aufzutragen.



Ich hatte ja im Keller schon mal ein wenig gefliest. Daher kannte ich durchaus meine Fähigkeiten und beschloss mir für die Bäder einen Profi zu holen :O) - Spaß beiseite, man sollte seine Grenzen kennen.

Im Bad wurden die Feuchtbereiche mit einer Art flüßigem Gummi ausgestrichen. Für Ecken und Kanten gibt es dann noch flexible und vorgeformte Bänder, die eingelegt und verklebt werden können. NEIN, ich mache hier keine Werbung, aber will Euch einfach mal zeigen was es da gibt.


Hier seht Ihr mal eine Nahaufnahme nach dem Auftrag.


Mein Fliesenleger hat die Wände dann noch ganz dünn mit Fliesenkleber "verputzt", um eine bessere Haftunterlage herzustellen.



Es empfiehlt sich vorher die Fliesen auszulegen, damit man sieht, wo man Fliesen schneiden sollte und wo Fliesenenden auch Kanten oder Ecken stoßen. Das ist v.a. wichtig, wenn man mit großformatigen Fliesen arbeitet. ACHTUNG: Fugen nicht vergessen!


Und dann kanns endlich losgehen: Kleber aufziehen und kleben - gaaanz einfach.
Ne ne, v.a. große Fliesen zu legen braucht viel Übung.


An Kanten empfiehlt es sich Schutzschienen einzulegen, um ein Absplittern der Kanten zu verhindern. Diese gibt es in Kunsstoff und Metall (z.B. Alu oder Edelstahl). Sie werden auch einfach mit dem Fliesenkleber eingeklebt.


Fliesenleger arbeiten oft in zweier Teams. Einer schneidet, der andere klebt. So konnte ich auch noch ein Rolle spielen. Also genau messen und antragen...


... und dann mit der Schneidhexe die Fliese in einem (!) Schnitt anritzen. Mit ein leichten Schlag mit ner Zange oder so bricht die Fliese dann an der vorgeritzten Stelle.


Man kann die Fliese auch im wahrsten Sinne des Wortes, übers Knie brechen.


Hier seht Ihr übrigens auch, dass man sich von einer Bezugskante, hier die Vormauerung, wegarbeitet in Richtung Boden oder Decke, es sähe sonst schlecht aus, wenn man hier mit einer angerissenen Fliese arbeiten müsste.


Ein Thema für sich sind Löcher und Aussparungen. Wenn man weiß wie, ists eigentlich gar nicht sooo schwierig.

Also kleiner Exkurs:

  1. Man kann für kleine Löcher Bohrer oder Bohrkronen nutzen.
  2. Sind Aussparungen am Rand, wie hier im unteren Bild bei den Kabeln, kann man einen Flex nehmen und mit einer Diamantscheibe Ecken rausschneiden.
  3. Löcher am Rand kann man mit der Flex fächerartig vorschneiden und mit der Papageienzange rausknabern.
  4. Ähnlich gehts bei größeren Löchern in der Mitte, aber hier ist schon mehr Geschick gefragt. Man muss erst mit der Flex in der Mitte über Kreuz vorschneiden oder mit der Bohrkrone vorbohren. Dann arbeitet man sich mit dem Papagei an den Rand hin, vorsichtig und geduldig.


Hier noch ein Eindruck von unserem Boden. Zuerst wurde er vorbereitet.


Und dann gefliest.


Wir haben schwarze Fugen genommen - würde ich heute nicht mehr. Es graut aus, durch Kalk im Putzwasser und evtl. auch durch Stoffe, die aus dem Fliesenkleber einziehen. Eine graue Fuge bleibt grau oder verändert sich unmerklich. Aber vielleicht habt ihr andere Erfahrungen?


Fliesen Ende - es kann weiter gehen.

Wir haben die Badewanne in einen Styroporklotz gesetzt. Es hat Vor- und Nachteile:

Vorteile:
  • Keine extra Mauerung notwendig, somit auch kostengünstiger und schnell
  • Sehr gute Verteilung der Last auf dem Boden, was unser Beweggrund war
  • Leicht zu verarbeiten
Nachteil:
  • Die Wanne sitzt vergleichsweise hoch

Also hat mein Sanitärler und ich den Klotz angepasst, und Aussparungen für Wasserleitungen eingeschnitten.


Der Chef hat geschäumt...


... und ich hab gehalten.


Dann wurde auch gleich die Wanne eingesetzt, damit man den Klotz auch noch in die richtige Position bekommt. Damit der Schaum nur klebt und nicht zu sehr aufgeht, haben wir ein paar Packungen Fliesen als Gewicht eingelegt.



Der Meister hat dann alle Anschlüsse gemacht...


... und die Heizung gesetzt. Ach ja, der Bauherr hat sich mit den Steckdosen vertan... der Depp.
Wir haben hier zwei Schalter für Deckenspots und Licht am geplanten Spiegelschrank und natürlich noch eine Steckdose.


Der Glaser hat uns dann noch einen Spritzschutz montiert.


Und so schön platzsparend eingeklappt.


Dekotime:



Ende!

Fazit:
OH MEIN GOTT, ja dieser Bauabschnitt, wir haben ja quasi zeitgleich auch das untere Bad gemacht, hat uns etwas Nerven gekostet.

Viel Planung, viele Gewerke, viel Fragen, Entbehrungen. Wir mussten mal den Fliesenleger auswechseln, da es miteinander leider nicht geklappt hat. Dann jemanden finden, der ein angefangenes Gewerk weiter macht. Duschen im Keller, im Winter, ohne Heizung, nur mit Heizlüfter incl. alter Sicherung, die das nicht immer verpackt haben, Toilette auf der Baustelle und für zwei Tage im Nebenhaus vom Nachbarn (so liebe Nachbarn muss man erst mal haben!).

Aber wie´s so schön heißt, "am Ende wird alles Gut".

Wir fühlen uns wohl. Das Baden hier in der Nische ist sehr gemütlich - man fühlt sich geborgen.
Die Plagerei hat sich gelohnt.

Ich hoff Euch hats gefallen, lasst mir doch einen Kommentar da.

Liebe Grüße

Euer Martin :O)

Kommentare:

  1. Hallo Martin,

    Respekt! Ich wäre nicht so weit gekommen wie du und habe dieses Gewerk komplett vergeben.

    Viele Grüße
    Timo

    AntwortenLöschen
  2. Ach Timo, ich kenn Dich, von den Fähigkeiten trau ichs Dir auf jeden Fall zu. Trotzdem lieben Dank für Dein Lob und hoffentlich auf bald.

    Liebe Grüße

    Martin :O)

    AntwortenLöschen
  3. Servus Martin,

    Ich schließ mich Timo an. RESPEKT!! Das muss man erst mal so hin bekommen und dann auch noch zwei Bäder gleichzeitig!?! Naja, du bzw. ihr wart ja dann eh warm gelaufen und so wars ja sicherlich kein Problem ;-)...
    Schöner und sehr interessanter Beitrag!
    Liebe Grüße,
    Dominik

    AntwortenLöschen
  4. Ja hi Dominik. Schön mal wieder von Dir zu hören. Vielen Dank für Dein Lob. Ja die Zeit war schon teils nicht so toll, ein Gewerk war extremst verschleppt. Aber letztlich alles gut. Ich mach bald mal nen Eintrag noch zum unteren Bad, anders aber auch überraschend gut geworden. Teaser Ende.

    Bis bald.
    Pfiadi
    Martin :O)

    AntwortenLöschen
  5. Lieber Martin,

    Daumen hoch von uns für so viel Eigenleistung! Fliegen legen gehört wirklich nicht zu den leichtesten Heimwerker-Tätigkeiten. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

    Beste Grüße, Julia von wolfcraft

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Julia,

      ich lasse zwar sonst nur wenig Kommentare von Firmen zu, aber ich mache hier mal eine Außnahme, da nicht pseudomäßig versteckt, über drei Ecken oder so.

      Vielen Dank für Euer Lob.
      Vielleicht auf bald.
      Schönen Gruß
      Martin :O)

      Löschen
    2. Lieber Martin,

      das wissen wir zu schätzen. Wir schauen uns (wie viele andere Firmen vielleicht auch) immer gerne in Heimwerker- und Hausbau-Blogs nach interessanten Projekten um. Wenn uns etwas anspricht oder gefällt, geben wir das auch offen und gerne zu. :)

      Löschen
  6. Da hat sich die Arbeit gelohnt, ich kenne es aus eigener Erfahrung.
    Viel Spaß beim Baden.

    Gruß Felix

    AntwortenLöschen
  7. Hi Martin,

    nach wie vor HUT AB. Solch eine Arbeitsleistung und dann auch noch neben dem Job. Aber irgendwann ist es vollbracht. Bis dahin viele tolle Erfahrungen und auch mal eine Auszeit , die noch mehr Spass macht.
    Der Breicht zeigt schön Deine/Eure Leistung und das Ergebnis ist vielversprechend. Gefällt mir sehr gut.

    Herzliche Grüße

    Uwe

    AntwortenLöschen
  8. Hallo Felix und Uwe,
    danke für die Blumen,
    nachdem ich jetzt endlich fertig bin hab ich auch wieder Zeit und Elan, letzteres hatte mir lange lange gefehlt, um wieder was einzustellen.
    Ich bin jetzt aber dabei, jede Woche wieder nen Beitrag zu bringen und künftig auch auf Youtube. Leider ist mir jetzt auch noch meine Kamera beim Handwerkereinsatz kaputtgegangen.
    Liebe Grüße

    Martin :O)

    AntwortenLöschen