Mittwoch, 1. November 2017

Böden - Teil I - Einleitung, Durchgangsraum, Schlafzimmer

HAAAA! Endlich mal wieder ein Beitrag mit Holz! Leute, das wird ein Beitrag in dem es um Holz geht, HOLZ, HOLZ, HOLZ!

Ich weiß ja, dass ein nicht unerheblicher Teil meiner Lesergemeinde aus Holzwürmern besteht und Ihr schon längst gelangweilt seid von dem ganzen Beton-, Mörtel- und Ziegelgedöns - Danke für Eure Ausdauer und Geduld.

Mit nicht unerheblichem Stolz werde ich Euch in dieser kleinen Serie zeigen, wie wir in den Räumen unsere Holzböden aufgearbeitet haben. Dabei werde ich nicht immer die gleichen Arbeitsschritte zeigen, aber möchte Euch doch zu jedem Raum ein paar Eindrücke geben.

Als wir damals unser Haus zum ersten Mal besichtigten, fanden wir im ersten Stock diesen Raum vor mit einem schönen Holzdielenboden... und Fahrrädern.


Wir hatten dann in allen möglichen Räumen in den Ecken nachgesehen, ob unter dem Linoleumboden auch dieser Boden war - und ja, so war es, wir waren begeistert, also ich vor allem.



Wir haben im ersten Stockwerk mit dem Schlafzimmer und dem Durchgangsraum zum Schlafzimmer begonnen.

Nachdem wir verputzt hatten, entfernteten wir den Linoleumboden der perfekt als Schutz gedient hatte. Ich war dann damit konfrontiert, dass die Rückseite des Bodens, also Kokosfasern, wie ein Fell an dem Boden festklebte. Naja, einschäumen und wegrasieren - oder so.

Und schon das erste Problem. In dem Haus waren früher in jedem Raum, dezentral, Öfen aufgestellt. Hier muss wohl auch einer gestanden haben, denn darunter war eine Betonschicht (zur Erinnerung, wir haben ja Holzbalkendecken). Das Holz daneben war aber leider morsch.

Also haben wir erst mal die Betonschicht entfernt, vorsichtig versteht sich, wir hatten schließlich schon verputzt.



An der Türschwelle habe ich mit einem Multitool einen Schnitt gemacht. Es war leider ein billiges Discountergerät, bei dem man alle ein bis zwei Minuten die Feststellschraube nachziehen musste, ich war dennoch froh das Gerät ausgeliehen zu haben - danach holte ich mir allerdings einen Fein Multimaster. Nein, keine Schleichwerbung, aber wir kommen später noch darauf zurück!


Leider habe ich nur wenige Bilder gemacht, daher kurz in Textform.

Unser Plan war mit Führungsschiene und Tauchsäge den Boden so weit auszuschneiden, dass der Übergang von neuem zu altem Boden unter dem künftigen Einbauschrank verschwindet.

Außerdem mussten wir als Lager den Balken finden, um darauf den Boden befestigen zu können. Wir haben dazu einen Bohrer nicht allzu lange eingespannt (Bodenstärke + kleines X), klopften den Boden ab und tasteten uns an den Balken heran - hat bestens funktioniert, war ja schließlich ein Tipp von einem alten Haudegen (siehe unten). Das haben wir an zwei Stellen gemacht und so hatten wir eine Referenz an der wir die Führungsschiene anlegen und mit der Tauschsäge aussägen konnten.



Den Boden zu verlegen war nicht wirklich schwer, Nerven raubend war allerdings die verschiedenen Höhen der Balken ausgleichen zu müssen. Da hat man früher wohl nicht so darauf geachtet. Auch hier galt mal wieder - zu zweit ist man mehr als doppelt so schnell.


Und so sah es dann aus im "neuen Rohzustand" aus.


Endlich konnte es mit dem Schleifen losgehen. Man braucht dazu einen Gehilfen, dessen Name nicht genannt werden darf (Nein, es ist nicht Lord Voldemort! = aber nennen wir Ihn der Einfachheit halber Volli)....


... und eine Schleifmaschine, die wir uns im Baumarkt ausgeliehen hatten.

ÜBRIGENS: Solltet Ihr auch mal mit so einer Maschine schleifen wollen, nehmt erst mal ein zwei OSB-Platten hintereinander und probiert darauf die Maschine aus. Erstens bekommt Ihr dann ein Gefühl für die Maschine und zweitens seht Ihr, ob sie stark oder schwach schleifend eingestellt ist.


Bevor es losging haben wir nochmal alles abgesaugt. Wozu das? Wenn grober Dreck z.B. Steinchen unter die Schleifbänder und -Scheiben kommt, gibt es fiese Riefen im Boden.
Also ging es los mit 16er (!) Schleifpapier leicht schräg zum Brettverlauf, um etwaiges Schüsseln leichter abschleifen zu können. 16er Schleifpapier kann man sich vorstellen wie Klebeband, das man auf einen Kiesweg hat fallen lassen. Daher darf man damit auch wirklich nur die oberste hartnäckigste Schicht abtragen.



Volli kümmerte sich mit diesem Tellerschleifer um die Kanten. Die Ecken haben wir mit dem Multimaster bearbeitet.


Ich habe mich Bahn für Bahn durch den Raum gearbeitet.
Man kann seinen Boden mit so einer Maschine auch ziemlich versauen.
Es gibt zwei wichtige Punkte zu beachten:
  1. Beim Losfahren und stoppen muss man die Rolle vorsichtig ablassen bzw. hochziehen, ungefähr so wie man beim Auto die Kupplung kommen lässt, stetig und nicht ruckartig.
  2. Immer zumindest eine Hand am Absenkhebel lassen! Sollte man mal hängenbleiben oder jemand über das Kabel stolpern, dann muss man schnell reagieren können, um keine Delle in den Boden zu schleifen.

Das Schleifen ist im Grund nicht allzu anstrengend. Aber man braucht wirklich Geduld und ständige Konzentration. Man muss Bahn für Bahn ablaufen, da das Schleifgerät eine gewisse Länge hat in beide Richtungen (Achtung! Nicht zu viel überlappend sonst wird zu viel Material abgetragen) mit aufsteigender Körnungszahl.


Liegt´s an der Unerfahrenheit oder schlicht an der Tatsache, dass Gut Ding Weil hat, so haben wir doch einige Zeit gebraucht, bis die letzten hartnäckigen Kleber und Lackreste weggeschliffen waren.

Dazwischen muss auch immer wieder gesaugt werden, um Steinchen und Dreck zu entfernen.


So sah es dann fertig aus - also für die Meisten. Ich war noch nicht zufrieden, denn zwischen den Dielen war noch der ganze Kleber und es sah nicht so schön aus. Also habe ich mich mit Werkzeug bewaffnet und begann damit den Kleber raus zu brechen. Nach ein Stunde hatte ich einen Quadratmeter geschafft. Deprimiert und mit müden Händen überlegte ich, wie es leichter gehen könnte oder ob ich aufgebe. Aber Aufgeben gilt nicht.

Und dann hats Klick gemacht. Ich hatte zwischenzeitlich mein eigenes Multitool bestellt, eine einfache Klinge montiert und damit den Dreck und Kleber entfernt. Es funktionierte prima, der Dreck ist mir wortwörtlich entgegen geflogen.


Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen habe ich die Spalten noch ausgeschliffen. Ihr sagt ich spinne, vielleicht, aber ein ist auch klar, eine frisch runtergeschliffene 90 Grad Kante kann sauscharf sein.


Der Schleifpapierverbrauch war übrigens enorm, man kommt hier nur einen maximal zwei Meter weit, bevor man weiter knicken mussten. Es hat sich aber gelohnt, denn man kann richtig schön barfuß laufen.


Erstes Etappenziel erreicht. Das wunderschöne an diesem Boden ist, dass so viele Äste im Holz sind. Fest eingewachsen - das gibt Charakter.


Nun konnten wir endlich damit loslegen den Boden mit zwei Schichten Hartwachsöl einzulassen. Man muss hier relativ flink arbeiten, daher ist es eine erhebliche Erleichterung, wenn man zu zweit arbeitet. Auf was man jedoch verzichten kann, ist das Abkleben der Wände.


Mit der Einscheibenschleifmaschine und viel Gefühl (daher auch Barfuß ;O) habe ich das Hartwachsöl "einmassiert". Beim Hausbau meiner Schwester konnte ich schon reichlich mit so einer Maschine üben. Wenn man mal begriffen hat, dass zwischen der Bewegung nach links bzw. rechts nur zwei, drei Zentimeter Unterschied im Hebel sind, kann man sich mit nahezu ohne Kraftaufwand durch den Raum bewegen - naja, von der üblichen Gravitation abgesehen.


Beim zweiten Mal hab ich begriffen, dass es angenehmer ist mit Handschuhen und Stulpen zu arbeiten. Wenn man ein bisschen in Übung ist, bekommt man es auch hin vorwärts und rückwärts zu "fahren" (man muss dazu den Griff etwas "eindrehen").


Und so schaut es nun fertig geölwachst (?) aus. Zweimal eingelassen, mit einem schönen seidigmatten Glanz.


Nachdem ich dann noch passende Fussbodenleisten montiert hatte (dazu in einem anderen Bericht mehr), hat Uli mir geholfen das Schlafzimmer einzurichten.


Ein bisschen Licht für bessere Stimmung.


Und nachdem Claudia noch ihre Hand angelegt hatte, wurde es auch recht gemütlich.


Und auch unserem Qualitätstester gefällts richtig gut.


Zum Ende das Wichtigste zuerst - vielen herzlichen Dank an:

  • Heinz
  • Uli
  • Reinhard
  • Moe, dem Qualitätstester
  • und dem Mann dessen Namen nicht genannt werden darf aka. Volli
Die Böden aufzuarbeiten war eine sehr aufwendige Arbeit, die zum Teil auch recht eintönig war. Es ist aber richtig gut geworden. Außerdem konnten wir hier auch richtig Geld sparen. Ein Parkettlegemeister hätte hier zwischen 30 und 40 € pro Quadratmeter verlangt, zzgl. MwSt und Material für Ausbesserungen, aber ohne Ritzen schleifen, das macht Euch niemand.
Die Maschinen sind nicht ganz einfach zu handhaben. Die Trommelschleifmaschine kann fiese Dellen in den Boden schleifen und wenn man den Dreh mit der Tellermaschine nicht raus hat, könnt
Ihr sicher sein, dass der Tellerschleifer den Dreh mit Euch raus hat.
Ich denke man kann pro Raum einen Tag fürs Schleifen veranschlagen, und wenn man früh anfängt schafft man evtl. noch die erste Schicht Hartwachsöl.

Ich hoffe es hat Euch gefallen, und wenn nicht...


Hoffentlich bis bald,

Liebe Grüße

Euer Martin :O)


1 Kommentar:

  1. Ich habe das selbe bei mir gemacht. Es ist eine Heiden Arbeit aber es lohnt sich immer wieder.

    Gruß Felix

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